Mittwoch, 21. Juni 2017

Die Büste des Kaisers

Will man auf Scarbantia einen ordentlichen antiken Polytheismus darstellen, braucht man eine Sache unbedingt: die Büste des aktuellen Kaisers.
In unserem Fall, die wir 249 n. Chr. spielen, ist das Philippus Arabs. Und da es für das Reich und die besänftigung der Götter höchst wichtig ist, auch dem aktuellen Kaiser gottgleiche Ehrungen zukommen zu lassen, hab ich eine Büste geschnitzt.



Begonnen habe ich das ganze mit einem Block Ytong. Das ist Gasbeton und zeichnet sich dadurch aus, dass es sehr leicht und einfach zu bearbeiten ist. Der Block hatte eine Abmessung von ca. 66*20*25 cm und wog nicht mehr wie 15 kg, schätze ich. Hier hab ich schon das Profil in den Stein eingeritzt.

Mit der Spannsäge schließlich hab ich die Kontur des Kopfes einfach aus dem Block gesägt

Da das ganze ja dreidimensional werden soll  hab ich begonnen, alles etwas auszurunden, ebenfalls noch mit der Säge.

Schließlich bin ich mit einem breiten Schraubenzieher und einer Eisensäge ins Detail gegangen.  Ihr seht, Hals und Stirn sind noch sehr kubisch.

Langsam beginnt sich das Gesicht aus dem Stein zu schälen.

 Schließlich ist der Kopf soweit fertig, von der Form her. Das Haar wollte ich nicht weiter formen, sondern mit der Farbe eine Frisur malen. Zum Glück hatte Philippus nur einen kurzen Bart und keine Locken.

Nun geht es also an die Brust, also der untere Teil der Büste. Da die Büste so gedacht ist, dass man den Kopf auswechseln kann (sollte ein neuer Kaiser an die Macht kommen), passt es eh gut, dass der Kopf einen eigenen Teil bildet.

Wieder beginne ich mit groben Sägearbeiten

Um schließlich immer weiter ins Detail zu gehen.

Langsam sieht das ganze so aus wie ich es mir vorstelle. Nun hat Ytong/Gasbeton das Problem, dass er sehr porös ist. Also musste ich die gesamte Bürste mit Spachtelmasse einschmieren, um eine glatte, weiße Oberfläche zu bekommen.

Und schließlich musste noch alles mit bunten Farben bemalt werden.  

So sieht der Kaiser von hinten aus. 

Ist er nicht anbetungswürdig. Die Büste ist nun 55 cm hoch, nicht sonderlich schwer aber trotzdem stabil genug, dass sie nicht gleich umfällt. Zum schnitzen ist Ytong also wesentlich besser geeignet als Styropor o.ä.
Und sollte Philippus gestürzt werden, kann man einfach den Kopf austauschen. Die Römer sind schon ein praktisch denkendes Volk :)

Sonntag, 11. Juni 2017

Landsknecht - Ausborgorgie

Bei mir dreht sich gerade alles um das römische Stadtspiel Scarbantia, das viel Zeit und Ressoucren frisst. Natürlich hab ich dafür auch schon ein bisschen was gebastelt, das kommt die nächsten Wochen mal online. Viel Stress, was soll man machen.

Aber zuerst:
Mein Landsknecht. In dem steckte ja viel Arbeit drin. Getragen habe ich das Kostüm aber nur einmal, auf dem Larp "Fragmente der Hoffnung" 2013
Seitdem hab ich aber immer wieder verborgt, so dass das Kostüm mittlerweile von wesentlich mehr Menschen getragen wurde als von mir. Hier ein kleiner Abriss:

Ich, 2013, auf "Fragmente der Hoffnung"

 Hier hab ich es verborgt, allerdings ohne Hut, am Larp "Löwenrodt" 2014

Dass Landsknechtsmode unisex sein kann wird hier bewiesen, getragen von einer Freundin am Drachenfest 2014

Auch auf dem Larp "Neu Ismilia" wurde das Kostüm von einer Avesta-Hauswache getragen, 2015 & 2016

Und schließlich taugte es sogar zu einer Kostümparty 2017

Irgendwann trag ich es auch wieder, denk ich. Bis dahin schafft es aber vielleicht auch noch ein paar Events ohne mich :)

Mittwoch, 2. November 2016

Orientcharakter

Nachdem ich mit dem orientalischen Setting ja schon lange liebäugel, war es diesen Sommer endlich soweit und ich bin nach Deutschland, aufs großartige Al Bahra geflogen. Was für ein tolles Spiel! Ich war begeistert.

Gespielt hab ich einen Zeichner, und dadurch hab ich viel Zeit auf dem Larp mit Zeichnen verbracht :)  Es war spannend zu beobachten, wie man durch die Übung besser wird, bis man durch die Müdigkeit und schwindende Konzentration wieder nachlässt.
 (c) Andreas Kaiser. Das Foto hat es sogar auf die Titelseite des "LARP und die (anderen) Künste"-Bandes geschafft, das am MittelPunkt 2016 zu ergattern sein wird.

Der supertolle Nummi hat mich einige Male erwischt. Immer beim arbeiten, wie es scheint :)
Das Kostüm ist ob der Tatsache, dass ich das orientalische Setting eigentlich super find, überraschend improvisiert. 
Der Turban besteht aus den uralten zusammengenähten Stoffen der Feuerbälle, mit denen mein Zauberer Demosthene vor Jahren um sich geworfen hat; und einem weißen Seidenschal, den ich mir ursprünglich als Halstuch für einen Steampunk-Charakter gekauft hab. Der Christbaumschmuck, der da auf mit oben hängt, ist großteils erspiel (IT-Entlohnung).
Das weiße Hemd stammt von meinem spätmittelalterlichen Söldner, die Weste hab ich 2009 geschneidert, für einen Erdentänzer (damals, als ich noch Fantasy-Larps gemacht hab). Die Holzperlenketten hab ich für einen Fantasy-Schamanen gekauft, den ich nie fertig gebastelt hab. Der Ohrring stammt von meinem ersten verstorbenen Charakter, einem Musiker/Scharlatan (Sylvain). Der Armreif ist von Sebastianus.
Die Pluderhose schließlich ist von meinem Rus, die gelbe Schärpe von meinem Ismilia-Charakter Flickenschuster. Schuhe hab ich keine getragen, das Wetter war warm genug um barfuß zu gehen. Einfach toll!

Es war echt ein wunderbares Erlebnis, und ich will definitiv wieder hin! 2018 dann, weil 2017 überschneidet es sich mit Scarbantia

Freitag, 7. Oktober 2016

Zinnenhut

Inspiriert von der Behüterin und aus der Notwendigkeit heraus, einen feschen herrschaftlichen Hut für ein Mittelalter-Fantasy-Spiel zu bauen hab ich mir einen Zinnenhut gemacht.

Ich bin ja ein Verweigerer von Bundhauben (die ich ausgesprochen bäuerlich finde) und suchte daher nach Hüten, die definitiv ohne Bundhaube getragen wurden. Voilà!

Meine Wahl fiel auf den Zinnenhut, einer der am meisten abgebildeten Herrenkopfbedeckungen in der Manessischen Liederhandschrift um 1300 - 1340, was so einige Malereien bestätigen.

Irgendwie fand ich diesen Hut passend für meinen Ritter, den ich kommendes Wochenende spielen soll. Die Farben, die mir zugeteilt wurden, sind Violett und Weiß. Also ran ans Werk.

Erst schnitt ich aus dickem Filz 8 x die oben gezeigte, trapezoide Figur aus. Bei meinem Kopfumfang (62 cm) geht sich das super aus, inklusive den schon eingerechneten 0,5 cm Nahtzugabe.


Die Trapeze hab ich dann entlang der geneigten Seiten zusammengenäht, so dass eine schöne violette Krone entstand.

Aus weißer Seide (oder so ähnlich) hab ich dann 2 x das Futter ausgeschnitten, entlang der Kurven zusammen genäht und so zusammen gesteckt, dass die Nahtzugaben jeweils innen sind.

Das Futter hab ich dann in den Hut hinein genäht. Ein Schneekaninchenfell musste dran glauben, ich habs zerschnitten und die Fellstücke ebenfalls aufgenäht. In die Mitte des Futters hab ich aus Verschnittresten und einer 2-Cent-Münze noch den Stoffknopf genäht, zum Abschluss.

So sieht das ganze nun aus. Der Hut trägt sich sehr bequem, und ich spar mir die blöde Bundhaube :D

Anmerkung: Im Nachhinein hab ich jedes der acht Fellstücke nochmals an den Ecken an der Stoffkrone angenäht. Das hab ich mir erst sparen wollen, weil das Leder recht steif war und das konsequente Annähen unnötig schien. Leider wird Leder weich, wenn es nass wird. Da es am Spiel geregnet hat hingen mir schlussendlich fast die Hälfte der Fellstücke traurig nach unten - wie Blumen, die man vergessen hatte zu gießen.

Es hat sich aber ausgezahlt! Die Mütze war total herrschaftlich, herausragend und hat einen super Wiedererkennungswert!
Foto von Andreas Lorenz

Dienstag, 30. August 2016

Federwedel

Gibt es eine schönere Art, hoffnungslos übersteigerte Dekadenz zum Ausdruck zu bringen, als mit einem Wedel aus Straßenfedern, mit dem einen ein Sklave frische Luft zuwedelt?
Ich glaube nicht!

Nachdem ich das ja schon einmal probiert habe (mit mäßigem Erfolg) dachte ich nun, ich mach es richtig.

Der Anfang war leicht: Ich hab mir bei einer Straußenfarm einen Staubwedel gekauft. Das perfekte Ausgangsprodukt für meinen Plan. Ich hab den Staubwedel zerlegt und ide einzelnen Federn herunter genommen. Den Holzstab konnte ich gleich als Griff für meinen Fächerwedel verwendet.

Aus dickem (5mm) und dünnem (1mm) LEder hab ich gleich große Halbkreise geschnitten und wie am Bild dargestellt zusammen genäht. Wichtig war, dass so Taschen entstehen, in die die Federn rein gesteckt werden können.


Durch das Feld in der Mitte hab ich das Lederstück an den Holzschaft geschraubt.


Nun konnte ich die Federn in die Ledertaschen stecken, bis nichts mehr (auch nicht mit Gewalt) hinein ging. 


Damit am Ende die Schrauben nicht Sichtbar waren, hab ich sie noch mit den galdenen Blättern überklebt.


Das Ding funktioniert blendend!
Schaut nur, hier sieht man sogar die frisch gewickelte Toga:

Und das beste ist: Wenn man zu viel gegessen hat, kann man eine Feder herauslösen und sich damit gepflegt ins Vomitorium begeben :D

Ich liebe diese Rolle. Pater familias Aetius Sebastianus Minor, es war mir mein größtes Vergnügen, dich zu spielen. Du hattest am heurigen Epic Empires ein fulminantes Finale, und ich habe es in vollen Zügen genossen!

Montag, 25. Juli 2016

Toga

Endlich, nach all den Jahren, hab ich mir eine Toga besorgt.
Und das war gar nicht so leicht wie erwartet. Wenn man Stoff kauft ist dieser üblicherweise 1,5 Meter breit. Zu schmal für eine Toga. Breitere Stoffe sind üblicherweise Möbelstoffe, die nicht für ihren schönen Faltenwurf bekannt sind. Also blieb mir nichts anderes übrig, als zwei Stoffbahnen zusammen zu nähen.
Da 2 x 1,5 m aber 3 m sind, was wiederum zu breit für die Art Toga ist, die ich mir wünsche, hab ich die zweite Stoffbahn halbiert und in einer anderen Farbe gekauft. In Summe war es nun ein Streifen beiger Wollstoff 5,5 x 1,5 m sowie ein Streifen roter Wollstoff 5,5 x 0,75 m, die ich der Länge nach mit einer Kappnaht zusammengenäht habe.

Die Ecken des schmaleren roten Streifens hab ich dann rund geschnitten. Wichtig war, dass der Wollstoff an sich nicht ausfranst, denn ich habe die Stoffenden nicht versäubert. Wollte ich auch nicht, wegen dem Faltenwurf.

Apropos...  der Faltenwurf :)
Wir haben uns dabei an diese Anleitung gehalten.


Dabei wird man alt und bekommt einen Krampf im Arm. Man ist außerdem total hilflos, weil man nur ruhig stehen kann.

Eine Toga ist so ziemlich das unpraktischste Kleidungsstück, das ich kenne. Man kann nur erhaben schreiten damit, sonst nichts. Ständig muss man aufpassen, dass die Falten nicht verrutschen.

Man braucht mindestens einen Sklaven dazu, besser zwei, um sie überhaupt anzuziehen. Do it yourself? Vergiss es! :)

 Ich hoffe ich muss mich nie schnell bewegen, wenn ich das Ding anhab. Das funktioniert einfach nicht :)

Trotzdem ein ziemlich cooles Teil!

Hier sind Berni und ich beim Blödeln. Wie gesagt, ohne ihm hätte ich keine Chance gehabt, die Toga anzulegen. Man braucht eben Personal dafür :)

Donnerstag, 14. Juli 2016

Tunika kurzarm

Es wird Sommer und will wieder einen Römer spielen, aber die Hitze letztes Jahr hat mich gelehrt, doch dünnere Textilien parat zu haben, wenn ich sie brauche. Daher hab ich nun aus einem feinen Leinenstoff diese kurzärmelige Tunika genäht. Ich sehe fett darin aus, aber was solls, sie ist flattrig und weit, angenehm zu tragen und passt wunderbar zu meiner Toga (zu der es demnächst einen Blogeintrag gibt)

Wie ihr seht, keine große Sache, aber in Kombination mit der Toga und dem anderen Zeug sieht es glaub ich toll aus. Ich versuche Bilder zu schießen :)